Wohin mit dem Graffl ?

Opfergaben und die Entsorgung von Abfällen und Resten eines Rituals

von Sandra Mauler (Sassa)


Die nachfolgenden Gedanken machte ich mir, als ich anlässlich einer Diskussion in einem Forum einen Beitrag von einem User las, welcher die Sinnhaftigkeit von Opfern scheinbar generell in Frage stellte.

Das Thema, von welchem die ganze Diskussion ausging, waren Opfergaben an die Götter und was man mit ihnen nach dem Ritual anstellt, wie man sie also den Göttern oder anderen Wesen, denen man sie opfern möchte, zukommen lässt. Der von mir erwähnte User schrieb in seinem Beitrag im wesentlichen, dass ein Opfer nur dann ein Opfer sei, wenn es schmerzhaft oder anstrengend ist, was er mit dem Beispiel eines Geschenkes für jemand anderen unterstrich, bei dem man normalerweise etwas dafür tut, also zum Beispiel Geld oder Zeit aufwendet. In seinen Ausführungen klang es so, als könne man nur dann ein Opfer bringen, wenn dies ein echtes "Opfer" als solches und für den Opfernden mit Verlust, Schmerz oder großem Aufwand verbunden ist. 

  

Es mag wohl bis zu einem gewissen Punkt stimmen, dass man bei Opfern nicht primär darauf schaut, sich selbst etwas Gutes zu tun. Jedoch gerade bei einer Opfergabe bzw. einem Geschenk spielt meines Erachtens auch eine Rolle, was das Gegenüber sich wünscht, nicht die bloße Schmerzhaftigkeit für den Geber an sich. Dadurch gelangen wir allerdings zu der durchaus nicht einfachen Frage, was sich eine Gottheit eigentlich als Opfer wünschen könnte?


Natürlich wäre es nach der Denkweise meines Diskussionspartners ein großes und wirkliches Opfer im Sinn eines Verlustes, wenn ich meine älteste Tochter oder mein bestes Tier den Göttern hingebe, indem ich sie „einfach“ schlachte. Aber ist dies in der heutigen Gesellschaft überhaupt zeitgemäß und wünschenswert? Wem ist wirklich gedient, wenn ein Lebewesen auf unnatürliche Weise als Opfer sterben muss? Es gibt ja viele andere Möglichkeiten, seinen Dank in Form eines Opfers kund zu tun, ohne dass es ein unschuldiges Wesen das Leben kostet. Meines Erachtens sollten sich selbst die traditionsbezogensten Neuheiden heutzutage von derart überkommenen Vorstellungen lösen und originelle und zeitgemäße Lösungen finden, was schon bei den bloßen Überlegungen anfangen sollte, denn sonst darf man sich nicht wundern, wenn allein bei der Nennung von Hexen oder sonstigen Heiden gleich an irgendwelche rituellen Morde und Schlachtungen gedacht wird.

   Im Laufe der Diskussion kam der durchaus berechtigte Einwand, dass den Göttern eine Räucherung oder ein Korb mit Früchten wohl auch kaum mehr „bringt“ als einige Münzen, und dass man vielleicht besser darüber nachdenken sollte, ob man seine Dankbarkeit nicht zeigen sollte, indem man seine Energie aufbringt um dort zu helfen, wo es gebraucht wird, bei den Mitmenschen oder im Umweltschutz. Dies sind unangezweifelt sehr wertvolle und wichtige Opfergaben, aber halt immaterielle! Wir leben aber in einer materiellen Welt in der Dankbarkeit oft und gerne durch materielle Dinge ausgedrückt wird. Ich möchte in meinem Beitrag eben auf diese materiellen Gaben eingehen, mit denen ein Mensch den Göttern danken kann und möchte.

Im Grunde zeichnet sich jede Art von Opfer nur dann als solches aus, wenn es als solches vom Gebenden auch gemeint ist und es gibt keine „besseren“ oder „schlechteren“ Opfer, sondern höchstens sinnvollere und weniger sinnvolle.

Ist nun Einfallsreichtum bei einem Opfer erlaubt oder wie muss ein solches aussehen? Nehmen wir an, jemand ist lange arbeitslos und findet dann seinen Traumjob und für ihn ist klar, er verdankt diesen den Göttern und möchte sich jetzt entsprechend bei ihnen bedanken, indem er ein Ritual abhält und den Göttern etwas opfert. Was wäre zum Beispiel nahe liegend? Er könnte zum Beispiel einen Teil seines ersten Gehaltes oder gleich das gesamte "opfern", aber ob die Götter sich über Geld freuen? Für ihn wäre es durchaus ein Opfer (im schmerzhaften Sinn), oder etwa nicht? Schließlich handelt es sich um einen Verlust, wenn er sein hart verdientes Geld den Göttern, überlässt, welches er gerade zu seiner Existenzsicherung errungen hat.

Wenn er aber wirklich naturreligiös ist, wird er sich bestimmt überlegen, wie er den Göttern seinen Dank passender ausdrücken kann. Er wird sich außerdem wahrscheinlich etwas aussuchen, was die Götter leichter aufnehmen können (ich nehme an, wir sind uns darin einig, dass die Götter wohl kein Geld benötigen oder darin irgendeinen wirklichen Wert für sich selbst sehen). Vielleicht kauft er etwas von diesem ersten Geld oder er teilt etwa ein großes Festmahl mit den Göttern und räuchert zum Dank, wie es bereits früher in den Tempeln üblich war. Wäre das nun etwa kein Opfer, weil er im Endeffekt ja den wohligen Duft der Räucherung und dessen Wirkung selbst auch verspürt und auch von den dargebrachten Speisen isst? Klar, kann ein Opfer auch anders aussehen, vielleicht besorgt er sich auch verschiedene Getreidesorten (seine Eltern haben einen eigenen Bauernhof oder er ist mit einem Biobauern befreundet) und fertigt daraus in mühe- und liebevoller Kleinarbeit (scheint also ein Opfer zu sein, auch nach der aufwandbezogenen Definition) ein wunderschönes Mandala auf dem Boden vor seinem Altar.


Wie kommt das Opfer dann von dort zu den Göttern? Gut, nun hat der Mann aus meinem Beispiel die Opfergabe auf dem Boden liegen, kann darüber großartig meditieren und es den Göttern symbolisch schenken, indem er einige hübsche Sätze spricht. Wie aber merkt er, dass die Götter sein Opfer angenommen haben und wo gibt er das ganze Getreide danach hin? Er kann es doch kaum am Boden liegen und vor sich hin gammeln lassen (können wohl schon, aber dies kommt auf die Örtlichkeit an)?

Genau darum ging es in der ursprünglichen Opfergaben-Diskussion, denn das was man mit den Opfergaben macht, ist meiner Meinung nach der Weg, wie man sie den Göttern tatsächlich schenkt und körperlich übergibt. Wir haben nun einmal einen Glauben, der sich um die Natur aufbaut, also was ist dann nahe liegender, als diese Gaben in irgendeiner Form selbiger (zurück) zu geben?

Es macht wohl wenig Sinn, Speisen symbolisch zu opfern und in Wirklichkeit selbst zu verputzen (es sei denn in der Überzeugung, dass das Göttliche ja eigentlich ebenso in uns liegt und nicht einfach „damit das Zeug wegkommt“). Eine andere Methode wäre es zum Beispiel geopferte Früchte auf einen Komposthaufen zu geben, damit die verschiedenen Lebewesen in diesem Komposthaufen die Früchte verwerten, in fruchtbaren Humus umwandeln und diese auf diesem Weg wieder in den natürlichen Kreislauf von Werden und Vergehen einbeziehen. 

  

Eine interessante Idee für das Getreide des oben erwähnten Mandalas wäre zum Beispiel, daraus ein Brot zu backen und dieses dann entweder zu essen oder auch an Tiere zu verfüttern, was auch ein Weg ist um die Opfergaben der Natur zu übergeben. Ich gehe natürlich in meinen Überlegungen immer davon aus, dass nicht jeder täglich tonnenweise solche Opfergaben produziert, welche zu einem riesigen Abfallberg anwachsen würden.


Wie werde ich "Ritualmüll" am leichtesten los? Ich übergebe ihn den Elementen, sollen die schauen, was sie mit meinen biologischen und auch nicht verrottenden Sachen machen, lautet meistens die Antwort. Ich habe schon oftmals gelesen, man solle Ritualreste (wahrscheinlich umfasst dieser Begriff auch etwaige Opfergaben aus dem Ritual) in einem fließenden Gewässer entsorgen, aber ich persönlich finde diese Vorstellung nicht sehr berauschend, einfach irgendwelchen Kerzenabfall und sonstigen Müll in einen Fluss oder einen Bach zu werfen. Mag ja sein, dass es ein guter und effektiver Weg wäre, um diese Reste der Natur zurück zu geben, aber ich denke nicht, dass es der Natur tatsächlich gut bekommt.

  

Ich habe immer wieder entsetzte Beiträge von Leuten gelesen, die sagen, dass sie das ja nicht machen, denn man kann doch nicht einfach irgendetwas in die Donau, den Rhein, den Bach, der am Haus vorbei fließt oder sonst wo hinein kippen und nun nach einer anderen Möglichkeit suchen. Scheinbar hat sich ein Bruchteil dieser Leute allerdings wirklich überlegt, warum das so ist, dass man „so etwas einfach nicht tut“. Sieht es seltsam oder schrecklich aus? Ja, aber warum ist das in unseren Köpfen so? 

Weil man dafür bestraft werden kann? Nein, sondern schlicht und ergreifend, weil es sich um Gewässerverunreinigung (Umweltverschmutzung) handeln würde und da sind wir braven naturreligiösen Heiden uns doch alle einig, dass das nichts Gutes sein kann. Wobei ich sagen muss, dass das Thema "Heiden und gelebte Umweltethik" ja wieder eine ganz eigene Geschichte ist, die seitenweise Stoff zu Artikeln liefern könnte.

Häufig wird bei solchen Diskussion dann das Klo als wunderbares Fließgewässer entdeckt. Mir stellt es allerdings die Haare auf, wenn ich lesen muss, dass man das ganze Zeug doch einfach die Toilette runterspülen soll. Wie bitte?!? Habe ich etwas falsch verstanden? Ins Klo? Oh ja, cool, da fließt ja Wasser, wenn ich auf den Knopf drücke, das muss ein Fließgewässer sein, also genau so etwas wohin der ganze Ritualdreck laut Anweisung des Hexenbuches "Sowieso" soll. Ja, vor allem ist das Klo ein sehr natürliches Fließgewässer bestehend aus lauter Rohren, von Menschenhand verlegt, welche das Wasser von irgendwoher (wer weiß schon wirklich, woher er sein Wasser bezieht?) an der Klomuschel vorbei und dann wieder ins (N)Irgendwo fließen lassen. Also von wegen zurück an die Natur! Juhu, da kann man ja froh sein, keine Naturverschmutzung, weil es ist „ja eh keine Natur“. Da kann ich nur den Kopf schütteln, wenn jemand das wirklich denkt. So jemand kann sich ja nicht überlegt haben, wohin das Wasser seine Ritualreste spült. Irgendwann erreichen auch diese die Natur und schaden ihr wahrscheinlich ebenso wie die in einem Fluss direkt entsorgten Reste, vielleicht sogar mehr, weil sie mühsam mit natürlichen Mitteln, aber auch Chemikalien und komplexen Anlagen aus dem Wasser gefiltert werden müssen, um dann ordnungsgemäß oder zumindest irgendwie entsorgt werden zu können.


Generell würde ich sagen, ein bisschen Köpfchen-Einsatz schadet nicht, auch und ganz besonders bei der Ritualvorbereitung. Ich halte es durchaus für sehr sinnvoll bereits vor einem Ritual, wofür auch immer man dieses machen möchte, genau zu überlegen, was ich im Anschluss daran mit den Resten machen kann und wie ich diese sinnvoll und vor allem schonend den Göttern beziehungsweise der Natur übergebe - ohne letzterer zu schaden oder sie zu belasten! Vielleicht ist es ja gar nicht notwendig, irgendwelche nicht oder schwer abbaubaren Materialien zu verwenden und vielleicht bemerke ich ja auch, dass das Arbeiten mit natürlichen Stoffen sich für mich selbst auch viel besser anfühlt und eine positivere Wirkung erzeugt.



Anmerkung von Galen

Outdoor-Rituale sollten gut geplant werden. 

Was wird benötigt: anstelle von Quarter-Kerzen kann man beispielsweise wiederverwendbare Fackeln, die mit Öl oder Petroleum gefüllt sind, verwenden (gibt es überall in Bau-Märkten für ein paar Euro). Ein Athame, evtl. Reisigbesen (zum Reinigen des Ritualplatzes), Salz, Wasser, ein Becher für Salz/Wasser, Scourge (sofern es sich um ein Wica-Ritual handelt), Kelch (wenn man seinen Glaskelch nicht mitnehmen will, tut es auch einer aus Holz), trockenes Brennholz (sofern man am Ritualplatz Feuer machen darf), Feuerzeug (oder wenn man es mehr "stylish" machen will - Flintstein und Zunder), Räucherwerk, Räucherkohle und evtl. Opfergaben (in Form von Früchten oder Getreide, je nach Jahreszeit), 2 wiederverwendbare große Kerzen als Symbol für Göttin und Gott (Ritualkerzen sollten für diesen Zweck vorher geweiht sein), Kuchen und Wein. Zum Ausschmücken des Altars findet man genügend Sachen in der Natur (Steine, Pflanzen, Blumen).

Bei entsprechender Planung bleibt nach dem Ritual nichts übrig, außer der Asche und den Opfergaben, die man aber getrost dort lassen kann (sofern es sich um Früchte etc. handelt).


Photos: BMC Archiv